Systemische Lehre

 

Die systemische Lehre entwickelte sich über die Arbeit mit Familien in den 50er Jahren. Heute ist sie – neben der verhaltenstherapeutischen, tiefenpsychologischen und humanistischen Ausrichtung – wissenschaftlich anerkannt. Sie wird als wirksames und effektives therapeutisches Verfahren bewertet.

 

Unter dem Dach der „Systemiker“ versammeln sich Kreativität, Neugier und Ideenreichtum.

Diverse Sichtweisen und therapeutische Haltungen finden einen Platz. Beispielhaft seien hier die analytische Sicht (Blick in die Familiengeschichte), die strukturelle (Arbeit an den Strukturen im Hier und Jetzt) oder auch die lösungsorientierte Sicht (Arbeit an zukünftigen Möglichkeiten) genannt.

Vor diesem Hintergrund steht dem systemischen Therapeuten/Berater ein weit überdurchschnittliches Methodenrepertoire zur Verfügung. Eine kleine Auswahl repräsentieren die Arbeit mit Genogrammen, Metaphern, Geschichten oder Skulpturen.

Besonders gerne wird sich auch sogenannter zirkulärer Fragen bedient. Eine typische Frage im laufenden Prozess könnte lauten: „Wenn ich Ihre Frau fragen würde, was Ihre Vorliebe für Hemden für ihre Partnerschaft bedeutet, was würde sie mir antworten?“

 

Am Beispiel zirkulärer Fragen wird besonders schön erkennbar, was die verschiedenen systemischen Ausrichtungen gemeinsam haben: sie betrachten den einzelnen Menschen nicht isoliert, sondern verstehen ihn immer auch in seinem sozialen Miteinander.

„Systemiker“ interessieren sich für Beziehungen – nicht nur zu anderen Menschen, sondern auch zu Institutionen.

Grundannahme ist, dass das Erleben, Denken, Fühlen und Handeln nicht nur in der eigenen Person begründet ist, sondern auch auf den persönlichen und familiären Erfahrungen mit anderen Menschen beruht – dort in der Wechselseitigkeit der Beziehungsprozesse erlernt und entwickelt wurde. Unter dieser Annahme sind unsere Beziehungen nicht nur für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Problemen, sondern auch für deren Bewältigung und Lösung von entscheidender Bedeutung.

 

Kennzeichnend für systemische Therapeuten/Berater ist darüber hinaus ein warmes und positives Menschenbild. Sie sind weniger an allgemeinen Krankheits- oder Störungsbegriffen orientiert, sondern richten ihr Augenmerk vielmehr ganz individuell auf ihren jeweiligen Kunden. Dabei gehen sie davon aus, dass jeder Mensch die notwendigen Stärken und Fähigkeiten, die er zur persönlichen Weiterentwicklung oder auch zur Bewältigung von Schwierigkeiten benötigt, bereits in sich trägt. Die therapeutischen/beratenden Prozesse dienen lediglich dazu, diese persönlichen Ressourcen zu Tage zu fördern und sie für den jeweiligen Kunden nutzbar zu machen.

 

Systemische Therapie/Beratung findet mit Einzelpersonen, Paaren, Familien, Teams oder auch größeren Organisationen statt. Bearbeitet werden neben persönlichen auch berufsbezogene Themen.

Systemische Therapeuten/Berater haben erkannt, dass die wesentlichen therapeutischen Entwicklungen nicht während, sondern zwischen den Sitzungen stattfinden. In der Folge werden die Kontakte - am Bedarf des Kunden ausgerichtet - häufig in größeren Zeitabständen und auch geringerer Anzahl als bei herkömmlichen therapeutischen Verfahren abgehalten.